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Im März 2020 begannen wir unseren Marzahn-Hellersdorfer Emmaus-Pilgerweg. Nach und nach wollen wir möglichst alle christlichen Einrichtungen im Stadtbezirk aufsuchen und die verschiedensten christlichen Gruppen und Aktivitäten kennenlernen. 

Nach der Winterpause ging es am Montag, dem 14. März 2022 wieder los.

Wir treffen uns an der Straßenbahnhaltestelle
Wuhletalstraße (Nähe Mehrower Allee meist um 17 Uhr oder direkt vor Ort.

Im Folgenden wird das Erlebte und Gesehene kurz vorgestellt:

29. Station:  Besuch der Jesus-Kirche Kaulsdorf und des Turmmuseums am 2. Mai 2022

 

 

Von der Jesus-Kirche ist von weitem der Turm zu sehen. Im Kontrast dazu das weiß gestrichene Kirchenschiff – an diesem schönen Frühlingstag so idyllisch umgeben von blühenden Bäumen und hellem Grün, gelegen auf dem Dorfanger von Kaulsdorf. Wir werden von Herrn Klee empfangen, der sich seit langem mit der Baugeschichte der Kirche beschäftigt und uns von ihr berichtet.

 

Beim Gang zur Kirche fällt das neue Tor auf.

 

Es wurde nötig, weil die von einer Ehrenamtlichen so schon gestalteten Blumenrabatten an der Kirche immer wieder unerwünschten Besuch durch Wildschweine erhielten:

 

Sowohl die Kirche wie das Gemeindehaus daneben sind durch Rampen auch für Rollstuhlfahrer erreichbar.

 

 

 

Auch die Wiese zwischen Kirche und Gemeindehaus wird sichtbar für Gespräche und gemütliche Runden genutzt.

 

An dem Baum daneben fällt jemandem aus unserer Gruppe das Vogelhäuschen in den Farben der Ukraine auf. Ein Zufall? Der Webseite und der Gemeindezeitung der Kirchengemeinde Kaulsdorf jedenfalls ist zu entnehmen, dass hier viel zur Unterstützung der Flüchtlinge und der Ukraine geschieht.

 

Beim Eintritt in die Kirche fällt der Blick zuerst auf den barocken Altar. Wir erfahren, dass nach dem 30jährigen Krieg in Kaulsdorf, das an der B1 / der Heeresstraße von Frankfurt/Oder nach Berlin alles zerstört war. Vorteilhaft war es für den Ort, dass er zur Versorgung der Domkirche in Berlin diente und nun von dort auch Unterstützung erhielt, u.a. diesen schönen Altar. Herr Klee zeigte uns, dass das, was wir für barocke Schnörkel an den Altarseiten halten, Ohren darstellt, und wie alles an dem Altar Gottes Wort ganz evangelisch in den Mittelpunkt stellt: die frohe Botschaft von der Auferstehung.

 

 

Links daneben die Kanzel ist mit vielen Bibelsprüchen geschmückt.

 

 

Oben wird sie gekrönt von dem Symbol des Pelikans, der seine Jungen mit seinem eigenen Blut füttert: Ein Symbol für Jesus, der für uns sein Blut vergossen hat.

 

 

Von oben, von der breiten Empore wirkt der Kirchraum viel größer. Nach der vor kurzem erfolgten Renovierung erstrahlt er hell und freundlich und die bunten Glasfenster kommen voll zur Geltung.

 

 

Die Orgel wurde vor einigen Jahren komplett erneuert. Nur der Prospekt, der 1912 der barocken Innengestaltung der Kirche angeglichen wurde, blieb erhalten.

 

 

Dass diese Kirche in ihrem Grundbestand eigentlich uralt ist, merkt man nur in der Sakristei mit ihrem Gewölbe und den dicken Mauern. Sie wurde zur DDR-Zeit für die Christenlehre benutzt.

 

 

Im Krieg wurden mehrer der schönen Glasfenter der Kirche zerstört. Aus den erhaltenen Resten wurde für die Kinder dieses kleine Fenster gestaltet, das dem kleinen Raum nun in freunliches Licht taucht.

 

 

Dann beginnt der zweite Teil unseres Besuches: Die Besichtigung des Turmmuseums:

 

 

Zuerst kommen wir in eine Kammer, von der aus früher die Glocken geläutet wurden. Oft war das eine Aufgabe der Konfirmanden, die sich die Zeit zwischen Beginn des Gottesdienstes und dem Vaterunser damit vertrieben, an den Wänden ihre Namen zu verewigen, sogar ganz oben, wohin man nur mit einer Leiter kommt. Als Teil der Dorfgeschichte wurde dies bei der Renovierung so gelassen.

 

Wir hören von der hier bezeugten Sitte, wenn Unverheiratete starben, ihre Beerdigung wie eine Hochzeit zu gestalten und sie als Himmelsbräute auch danach noch mit solchen hölzernen Tafeln zu ehren und diese, wie hier dargestellt, mit dem Brautkranz geschmückt in der Kirche zu bewahren.

Dieses anrührende Totenkronen-Brauchtum wurde vor allem im 18. und 19. Jahrhundert in fast ganz Deutschland und anderen Ländern gepflegt.

 

 

 

Dass dies auch in anderen Kirchen Brandenburgs bezeugt ist, zeigt die Austellung auf dem Boden des Kirchsaals.

 

Auch für die ehemalige Dorfkirche von Marzahn wird dies hier dokumentiert:

 

 

Ein Vorhang mit dem Bild und das Modell der Kirche zeugen davon, wie Gemeindegliedern ihre Kirche am Herzen liegt.

 

 

 

Das Turmmuseum erhielt Fotos von Kaulsdorf aus den 30er Jahren. Herr Klee fotografierte, wie es dort heute aussieht und stellte sie einander gegenüber.

 

Zu Kaulsdorf gehört auch Schilkin, dem es ein großes Anliegen war, dass die Kirche ihren in den letzten Kriegstagen 1945 von der Wehrmacht abgeschossenen Turm wieder originalgetreu erhielt und dies als Unternehmer kräftig unterstützte, was in seinen Erinnerungen auch nachzulesen ist.

 

In der Kugel oben auf dem Turm – die Weltkugel symbolisierend- sind nun Zeitdokumente aus dem Jahr 1999 aufbewahrt, ähnlich wie bei Grundsteinlegungen.

 

Hier noch ein Blick auf den Schaukasten der Gemeinde. Viel für alle Altersgruppen ist hier an Treffen und Aktivitäten zu finden. Ein Blick auf die Webseite lohnt sich und erst recht ein Besuch hier.