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Im März 2020 begannen wir unseren Marzahn-Hellersdorfer Emmaus-Pilgerweg. Nach und nach wollen wir möglichst alle christlichen Einrichtungen im Stadtbezirk aufsuchen und die verschiedensten christlichen Gruppen und Aktivitäten kennenlernen. 

Nach der Corona-Pause ging es am Montag, dem 10. August 2020 weiter.
Wir treffen uns immer an der Straßenbahnhaltestelle Wuhletalstraße (Nähe Mehrower Allee) um 17 Uhr oder direkt vor Ort.

 

Im Folgenden wird das Erlebte und Gesehene kurz vorgestellt werden.

Bericht über den Besuch der Kirche43 in der Schönagelstraße 14, 12679 Berlin am 26.10.2020

 

 

Von der Raoul-Wallenberg-Strasse geht als erste Parallelstraße zur Landsberger Allee die Schönagelstraße ab. In dieser Einfamilienhaussiedlung schräg gegenüber der Mühle und dem alten Dorfkern von Marzahn lebten ursprünglich vor allem Landarbeiter, die in den Gärtnerbetrieben des Dorfes ihr Geld verdienten. Hier hatte die katholische Kirche Marzahns in diesem Flachbau ihr erstes Domizil. Später fand hier auch die Christenlehre der evangelischen Gemeinde Marzahn/Nord statt.

 

 

Als die neue katholische Kirche an der Landsberger Allee und das evangelische Gemeindezentrum in Nord fertig waren, fand die Baptistische Gemeinde hier ein zu Hause. Als sie sich im Dezember 2019 auflöste, lag es ihr am Herzen, dass der Standort weiter für Gottesdienste genutzt würde. Zu dieser Zeit erhielt die Gemeinde „Kirche43“, die bis dahin im Einkaufszentrum in der Hohensaatener Straße Räume hatte, eine Kündigung wegen Umbau des ganzen Areals. Zwar hat sie hier viel weniger Platz als dort, aber beide Orte liegen per Fuß nur ca. 15 min auseinander. So ist die Gemeinde ohne Probleme mit gewandert. Nur fiel der Umzug in den Conona-Lockdown vom Frühjahr, so dass eine Einweihung und eine Begrüßung der Nachbarn vom Kiez, bisher nicht wie geplant stattfinden konnte. Doch die Gemeinde weiß sich zu helfen und ist eifrig dabei, den beengten Platz bestmöglich zu nutzen. Ein Raum für die Kinder ist schon eingerichtet, Bücher zur Ausleihe stehen im Vorraum, draußen ist bei Tageslicht schon Neues zu sehen. Aber viel Arbeit steht auch noch an.

Pastor Torsten Klotzsche erzählte uns von der Entstehungsgeschichte der Gemeinde, die zum Mülheimer Verband gehört und deren Muttergemeinde die Lukas-Gemeinde in Schöneberg ist.

Nach der Wende wirkten in Marzahn-Hellersdorf auch amerikanische Missionare von Partnerorgainsationen, die zur Gründung der Gemeinde beitrugen. Sie fand zuerst in der "Arche" in Hellersdorf Räume. Vor zehn Jahren erfolgte der Umzug in die Hohensaatener Straße, wo die Gemeinde wuchs und mit der Zeit noch mehr Räume anmieten konnte. Wir haben sie bei unserem Neujahrsempfang am 22. Februar noch kennenlernen können.

Auf dem Foto sehen wir hinter dem Pastor den liebevoll gestalteten Altar, der wie die von Kindern gemalten Bilder am Fenster von dem Erntedankgottesdienst erzählt, an dem sich die ganze Gemeinde durch eigene Beiträge beteiligte.

Der Gottesdienst beginnt sonntags immer um 11 Uhr und dann bleibt die Gemeinde oft bis in den Abend zusammen. In der Woche trifft sich die Jugend und andere Gruppen. Doch auch Hauskreise sind ein wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens und das gemeinsame Gebet.

Pastor Klotzsche erzählte auf unsere Fragen hin von der Geschichte des Mülheimer Verbandes und zeigte uns das Buch des Verbandsvorsitzenden über die 100jährige wechselvolle Geschichte dieser vom pfingstlerischen Geist geprägten Gemeinden, die mit einer unerwartet großen Anklang findenen Evangelisationsveranstaltung in Mülheim an der Ruhr 1905 begann und sich schnell über ganz Deutschland ausbreitete.

Die Beamer-Karte an der Wand zeigte uns die Orte, in denen sich heute Gemeinden des Verbandes befinden. Auch Neugründungen gehören dazu, wobei man sich von anderen Kirchen nur schwach versorgte Gegenden aussucht, um ihnen keine Konkurrenz zu machen.

Mancher fragt sich vielleicht, was die 43 im Namen der Gemeinde bedeutet. Einerseits erinnert sie an die alte Postleitzahl des Kiezes in Marzahn zu DDR-Zeiten 1043 und macht - wie es auf der Webseite heißt - deutlich: Wir sind in Marzahn zu Hause.
Andererseits weist es auf den Leitspruch der Gemeinde aus dem Buch des Propheten Jeremia 4,3 hin:  Da heißt es in der neuen Luther-Übersetzung: "Pflüget ein Neues und säet nicht unter den Dornen" oder mit den Worten der Übersetzung "Hoffnung für alle" etwas ausführlicher:
"Fangt ganz neu an wie ein Bauer, der ein brachliegendes Feld zum ersten Mal wieder bestellt! Streut eure Saat auf fruchtbaren Boden und nicht unter die Dornen!"

 


 

Das Don-Bosco-Zentrum
am Otto-Rosenberg-Platz 1, 12681 Berlin

Um 18 Uhr nahmen wir an der Messe in der Kapelle des Zentrums teil. Die Lesungen des 2. März passten so recht zu unserem Weg, den wir als Vorbereitung der Jubiläumsjahre 2030 bis 2033 gerade gegannen:. Aus dem Heiligkeitsgesetz im 3.Buch Mose, LIviticus 19, 1-4, 12-18  und Jesu Gleichnis vom Endgericht Matthäus 25,31-46.

Wir sind dankbar, für die Gemeinschaft, die wir hier mit unseren katholischen Geschwistern erfahren durften.

Im Anschluss stellte uns Pater Otto die Arbeit der "Manege" vor. Wir erfuhren u.a.: Das Don Bosco-Zentrum ist für die Jugendliche und hIlfesuchende 24 Std. täglich jeden Tag des Jahres offen. Von den Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie sich als immer Lernende verstehen und den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen. Nicht im Haus geduldet werden Gewalt und Drogengebrauch. Egal was passiert ist, die Jugendliche dürfen aber immer wieder kommen. Sie werden auch bei Gefängnisaufenthalten besucht. Mehr als 90 % von ihnen halten den Kontakt auch nach Abschluss der Massnahmen, zu denen sie vom Jobcenter oder dem Jugendamt ins Don-Bosco-Zentrum  überwiesen wurden. Die Mitarbeiter gehen davon aus, dass jeder Mensch von Gott Gaben und Aufgaben hat und in ihm etwas Göttliches wohnt. Dies gilt es, in den jungen Menschen zu entdecken, zu fördern und wachsen zu lassen.


Die Krankenhauskirche im Wuhlgarten - eine Kirche für alle

Brebacher Weg 15, 12683 Berlin

Diese Kirche  auf dem Gelände des ehemaligen Griesinger-Krankenhauses ist etwas ganz Besonderes, denn sie gehört keiner Kirche, sondern ist auf Initiative des Griesinger Krankenhauses, des UKB und des Landes Berlin nach den Kriegszerstörungen wieder aufgebaut worden und seit 2009 Eigentum der "Wuhlgarten – Hilfsverein für psychisch Kranke e.V." (Wuhlgarten e.V.).

In ihr finden sonntäglich abwechselnd evangelische und katholische Gottesdienste für die Patienten der Unfallklinik  u.a. auf dem Gelände befindlichen Kliniken sowie interessierter weiterer Besucher statt. Patienten des Griesinger-Hauses der Vivantes-Klinik im Kaulsdorf werden dafür auf Wunsch abgeholt.

Für Besucher ist die Kirche täglich geöffnet, zur Besichtigung der wechselnden Ausstellungen, für Konzerte und weitere Veranstaltungen sowie für Gespräche und z.B. stilles Gedenken z.B. an Verstorbene.

All dies und vieles mehr wird von den Engagierten der Interessengemeinschaft Wuhlgartenkirche organisiert.

Wir sahen die Ausstellung des Fotographen Nikolaus Basedow, der mit ihr zeigen möchte, wie der Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus aus dem Blick des Patienten aussieht. Mit diesem Eingangstext und kurzen Zeilen unter den Fotos wird der Betrachter in die Welt eines Kranken hineingenommen.

 

Zu Beginn Angst und Dunkelheit

Am Ende weitet sich der Blick durch das Fenster nach draußen und lässt Hoffnung entstehen.

Wir danken Herrn Strauß und Herrn Scuda vom Team der Interessengemeinschaft Wuhlgartenkirche für die freundliche Aufnahme unserer Pilgergruppe und das Gespräch zu einer Zeit, in der die Kirche eigentlich schon geschlossen hat. Besonders beeindruckt haben uns die Nachforschungen und das ehrende Gedenken für die während der sogenannten " Euthanasie" und während des Krieges im Griesinger-Krankenhaus ermordeten und gestorbenen Patienten. Es ist  in den Jahren 2012 - 2014 eine Datenbank erstanden mit 17.000 Einträgen u.a. aus den Sterbebüchern des Griesinger-Krankenhauses. Immer wieder fragen Angehörige  auf der Suche nach der Wahrheit über damals Verstorbene heute nach, und zu einem nicht geringen Prozentsatz kann Auskunft erteilt werden.  Dies ist eine Form der Seelsorge, für die wir ebenso wie für die Gedenkorte  für die Opfer auf dem Gelände ringsum sehr dankbar sind.


3. Station: Gemeindehaus Berlin der Mennoniten-Gemeinde BB e:V.,
Rudolf-Leonhard-Straße 11, 12679 Berlin


Wegen der Corona-Bestimmungen mussten wir unsere für März geplanten Besuche absagen. So konnten wir erst nach den Ferien im August uns zum ersten Mal wieder an der Tram-Haltestelle Wuhletalstraße treffen. Es war einer der heißesten Tagen dieses Sommers. Deshalb mussten etliche der Interessierten absagen, dazu kam eine halbe Stunde vorher noch ein heftiger Regenguss. So waren wir dieses Mal nur zu fünft, die wir uns reich beschenkt durch neue Eindrücke und das Gefühl der Verbundenheit im Glauben nach rund einer Stunde wieder verabschiedeten.

 

Das Gemeindehaus Berlin der Mennoniten-Gemeinde BB e:V. befindet sich in der Rudolf-Leonhard-Straße , einer Querverbindung zwischen dem Blumberger Damm und der Lea-Grundig-Straße. Von der Tram-Haltestelle Bürgerpark der M8 und 16 ist man in wenigen Minuten dort, kommt aber zuerst an der großen Baustelle Karl-Holtz-Straße / Rudolf-Leonhard-Straße vorbei, wo zurzeit ein ganz neues Viertel gebaut wird.

 

 

Wer es nicht weiß, läuft vielleicht an diesem Flachbau vorbei, der früher mal ein Penny-Markt war und übersieht den Schaukasten in dem auf deutsch und russisch zu den Gottesdiensten mit Kinderstunde um 10 Uhr und zur Bibelstunde donnerstags um 18 Uhr sowie weiteren Gemeindeveranstaltungen eingeladen wird.

 

 

Innen wird man in einem großen Vorraum empfangen, der einlädt, erst einmal miteinander ins Gespräch zu kommen und den Kirchraum zu betreten, dessen weit geöffnete Türen mit so schönen Worten überschrieben sind:

 

 

Wir wurden von Artur, dem ehrenamtlichen stellvertretenden Ältesten durch das Haus geführt und staunten darüber was aus dieser Kaufhalle geworden ist: ein bestens eingerichtetes Gemeindehaus, in dem an alle gedacht wurde. Für die Kinder jeder Altersgruppe gibt es einen Raum, für die Mütter mit Kleinstkindern eine Stillmöglichkeit und den Blick in den Gottesdienstraum, natürlich mit Lautsprecher um das Geschehen verfolgen zu können. Daneben einen Raum für den Übersetzer. Denn jeder soll alles verstehen können: Was auf Russisch gesprochen wird, deutsch und umgekehrt.

Die Gemeinde hat außer diesem Standort noch ein Haus in Königs-Wusterhausen und in Waldstadt nahe Wünsdorf. Die Gesamtgemeinde hat 130 Mitglieder. Hierher nach Marzahn kommen regelmäßig um die 25 Gottesdienstbesucher. Doch ist das Haus dafür eingerichtet, dass bis zu 200 Menschen empfangen werden können, denn man besucht sich gern gegenseitig. Auch die Bielefelder Muttergemeinde mit über 2000 Mitgliedern gehört dazu. Ohne ihre Unterstützung bzw. aller Gemeindeglieder untereinander wäre das hier alles nicht möglich, nicht nur die bauliche und technische Ausstattung, sondern auch die Ausbildung der Prediger und Chorleiter und vieles mehr.

 

Die Gemeinde ist sehr offen für Gäste, die die Gottesdienst besuchen, auch die aus dem daneben gelegenen Flüchtlingsheim. Wir fragten danach, wie man Mitglied werden kann. Die Antwort lautete: Nur wenn die Gemeinde den Eindruck hat, dass man ein wiedergeborener Christ ist. So erzählt man seine Geschichte, wie man zu Jesus gefunden hat bzw. Jesus uns gefunden hat. Es wären tausend verschiedene Geschichten, die da schon erzählt wurden, denn jeder hat seine ganz persönliche Geschichte.

Die Mennoniten selber haben schon eine sehr lange Geschichte. Sie nennen sich nach Menno Simons, der in der Reformationszeit), der in der Reformationszeit als sogenannter „Wiedertäufer“ wie alle, die dazu gerechnet wurden, schwere Verfolgung auch von Seiten der Evangelischen erlebte. Auf der Suche nach einem Ort, wo sie so leben könnten, wie es Jesus in der Bergpredigt lehrt, kamen sie auch nach Russland und nun nach einer bewegten Geschichte ab den 90er Jahren wieder zurück nach Deutschland.

Beeindruckend war auch die Initiative der Interessengmeinschaft und des Vereins dafür, dass nicht nur der Turm wieder aufgebaut wurde, sondern dieser auch wieder eine Glocke erhielt. Zurzeit muss sie noch mit der Hand geläutet werden, was nicht jeder kann. So ist das nächste Ziel ein elektrischer Antrieb für die Glocke, wofür noch Spenden benötigt werden.

Im Gespräch wurde deutlich, welche eine Schwellenangst viele Einheimische haben, eine Kirche zu betreten und wie diese Kirche durch ihre Angebote hilft, dies zu überwinden.

 


Besuch der Freien Evangeliums Christen-Gemeinde in der Ludwig-Renn-Straße 34

am 7. September 2020

 

 

 

Viele Anwohner kennen dieses nun neu renovierte und umgebaute Gebäude als jahrelange Bauruine, nachdem anfangs mal eine Gaststätte u.ä. sich nicht lange halten konnten. Vor den drei Hochhäusern und am Rande des Bürgerparks gelegen ist der interessante und verwinkelte Bau ein Hingucker. Seit mehreren Jahren hat die Freie Evangeliums-Christengemeinde das Grundstück erworben und es in Eigeninitiative zu einem Gemeindezentrum umgebaut.

 

 

An der Eingangsseite wird man von einer Blumenrabatte empfangen. Noch fehlt ein Schaukasten und ein Hinweis auf die Eigentümer des Gebäudes. Der Einzug im April fiel mit der
Korona-Epedimie zusammen. So finden sonntags zwei Gottesdienste statt, damit alle Gemeindeglieder mit dem gebotenen Abstand im Gemeinderaum Platz haben.

 

Noch betritt man das Haus durch einen Eingang auf der linken Seite, doch demnächst durch den hellen schönen Haupteingang, der mal eine Lieferrampe war.

Wir durften auch die weiteren Räume besichtigen, die Räume für die Kinder verschiedenen Alters, für die Jugendlichen, für Besprechungen...

 

Der ursprünglich vorhandene große Saal wurde noch erweitert. Er ist hell und freundlich. Der Gottesdienst findet in Russisch und Deutsch statt. Für die jeweils andere Sprache wird übersetzt.

 

 

Die Gemeinde hat vorher kirchliche Räume im Prenzlauer Berg und dann im Gemeindezentrum Marzahn/Nord in der Schleusinger Str. 12 als Untermieter nutzen können. Nun hat sie also ein eigenes Zuhause. Im Gottesdienst und in der Bibelstunde beeindruckt uns vor allem die Intensität ihrer Gebete. Die Gemeinde gehört zur Pfingstbewegung, die in den 20er Jahren vor allem auch durch den Baptistenpastor Iwan Woronajew in Russland, der Ukraine und auch Bulgarien entstanden.

Im Verbund mit den anderen Gemeinden der Bruderschaft der Freien Evangeliums Christen Gemeinden helfen sie durch ihr eigenes Stephanus Hilfswerk Menschen in vielen Ländern.

 


 

Ziemlich versteckt am Rand des großen Sportplatz teilt sich die
Missionsgemeinde der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) mit anderen Mietern ein Kita-Gebäude noch aus DDR-Zeiten in der Schwarzburger Straße 8 (-10).

 

 

Schon vor dem Eingang wurden wir von Pastor Schröter herzlich in Empfang genommen und eingeladen, miteinander ein Osterlied zu singen, denn wir sind ja auf dem Emmaus-Pilgerweg durch Marzahn.

 

 

 

20 Jahre nun schon gibt es in diesem Jahr die „Missionsgemeinde“ in Marzahn. Alle Berliner Gemeinden dieser Kirche waren gebeten worden, Gemeindeglieder zu bitten, hierher nach Marzahn zu kommen, um zuerst einmal einen „frommen Stamm“ für die Neugründung zu haben. So kommen einige noch immer von weiter her zu den Gottesdiensten sonntags.

An der Eingangstür auf einem kleinen Schild und auf der Webseite steht: „Alle Sünder willkommen!“ Ob dies mal jemanden abgeschreckt hat, diese Kirche zu betreten. Nur in den ersten Jahren gab es wohl mal kritische Stimmen.

 

 

 

 

Inzwischen wird die Gemeinde nicht mehr von den für Mission vorgesehenen Geldern der Gesamtkirche finanziert, sondern teilt sich mit der Martinsgemeinde Angermünde sowie deren weiteren Predigtorten Fredersdorf (bei Prenzlau, postalisch Zichow, Fredersdorfer Dorfstr.) und Biesenthal ihren Pastor, der auf halben Wege zwischen diesen allen in Bernau wohnt.

 

Seit 15 Jahren betreibt die Gemeinde mit vielen Helfern eine Ausgabestelle von „Laib und Seele“. Heute, am Montag um 17 Uhr ist der Kirchraum schon dafür hergerichtet, dass am Dienstag die gespendeten Lebensmittel hier sortiert und dann am Mittwoch und Freitag ausgegeben werden können. Es ist eine der größten Ausgabestellen in Berlin und eine der beiden, die auch in der gesamten Corona-Zeit geöffnet hatte, natürlich mit einem entsprechenden Schutzkonzept und den nötigen Abstandsregeln.

 

 

 

So sitzen nun auch wir rund um die noch leeren Kisten vor dem Altar und hören auf die Emmausgeschichte und beten miteinander für uns und andere. Pastor Schröter erzählt von der Konfirmation im September und dass dafür der Katechismus, die Gebote und zum Beispiel Psalm 23 gelernt wird. Auch das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser wird in der für uns „alten“ Form gesprochen. So wird sehr bewusst die Formulierung „niedergefahren zur Hölle“ beibehalten und auch von einer „Auferstehung des Fleisches“ gesprochen. Die Feier des Heiligen Abendmahls ist wichtiger Bestandteil (fast) jeden Gottesdienstes. Da Jesus gesagt hat: „Das ist mein Leib“ wird dies auch so verstanden, dass Jesus , auch wenn wir es nicht verstehen, real in Brot und Wein anwesend ist.

 

 

Draußen auf dem großen Gelände hinter dem Haus ist Platz für Kinder zum Spielen. Von einem Bauwagen aus werden sie betreut, während die Eltern in der Ausgabestelle sind. Pastor Schröter ist für Gespräche jeden Mittwoch bei „Laib und Seele“ da.

 

Im Eingangsbereich orientieren zwei große Wandbilder nach den beliebten Zeichnungen von Paula Jordan auf dass, worauf es hier ankommt: Die Kinder – Jesus selbst als Kind in der Krippe – und als derjenige, der sich nicht von ihnen gestört fühlt, sondern die Kinder uns Erwachsenen als Vorbild vor die Augen stellt und sagt: „Ihnen gehört das Himmelreich.“

 

 

 

Zum Schluss noch die Frage nach der Geschichte dieser Kirche. Zum 300. Reformationsjubiläum 1817 verkündete König Friedrich Wilhelm III. die Union von lutherischen und reformierten Gemeinden für Preußen. Vor allem in Schlesien und Pommern weigerten sich Gemeinden und wollten lutherisch bleiben. Das wurde erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts möglich. Als 1945 die Flüchtlinge gerade aus diesen Gebieten über ganz Deutschland verteilt wurden, entstanden auch überall altlutherische Kirchen, die seit 1972 sich als SELK vereinigt haben und Luthers Erbe konsequenter überliefern, als manche der lutherischen Landeskirchen.

 

Möge diese kleine Gemeinde und ihr Helferkreis von „Laib und Seele“ die Kraft und die Freude weiterhin geschenkt werden, diese so wichtige Arbeit hier vor Ort „zu stemmen“!

 


 

Am 31. August trafen wir uns in der Evangelischen Dorfkirche Marzahn,
wo uns der seit März „neue“ Pfarrer der Gemeinde Dr. Joram Luttenberger empfing.

 

 

150 Jahre Dorfkirche Marzahn wird im nächsten Jahr zu feiern sein. 1871 wurde sie erbaut und löste eine alte Feldsteinkirche ab, an deren Stelle die Schule, das heutige Museum auf dem Dorfanger errichtet wurde.

 

 

 

Bis zum Jubiläum soll der Altarraum noch gestrichen und einiges ausgebessert werden, auch das Ziffernblatt der Turmuhr. Zum Jubiläum wird auch Besuch von der finnischen Partnergemeinde in Kemi (https://de.wikipedia.org/wiki/Kemi) erwartet. (https://www.discoveringfinland.com/de/destination/kemi-lutherische-kirche/) hat.

 

 

Nach dem „Lockdown“ im März war die Kirche jeden Tag in der Passionszeit bis Ostern von 17 bis 19 Uhr zum stillen Gebet geöffnet, auch sonntags zu den Gottesdienstzeiten zu einer Andacht. Ab Himmelfahrt finden sonntags wieder Gottesdienste statt. Erfreulich ist es, dass es im neuen Schuljahr wieder eine Konfirmandengruppe zusammen mit der Gemeinde Marzahn/Nord geben wird.

 

Auch zu den anderen Gemeindeveranstaltungen in der Woche wird nun wieder eingeladen, so wie es im Gemeindeblatt und auf der Internetseite der Gemeinde steht: www.dorfkirche-marzahn.de.

Vor allem durch den Kindergarten der Gemeinde war und ist man mit den immer neuen Corona-Bestimmungen vertraut und damit beschäftigt. (Den Kindergarten werden wir noch extra besuchen.)

 

 

Pfarrer Dr. Joram Luttenberger ist seit März 2020 in der Gemeinde.. Er promovierte an der Theologischen Falultät Leipzig im Fachbereich Neues Testament und hatte Lehraufträge im Gnadauer theologischen Seminar Falkenberg/Mark (http://www.gtsf.de/index.php?option=com_content&view=article&id=10&Itemid=17).und dem Missionhaus Malche in Bad Freienwalde (https://missionshaus-malche.de/index.php).

 

 

 

Außer der evangelischen Gemeinde ist im Gemeindehaus schon seit vielen Jahren das Apostelamt Jesu Christi und die russlanddeutsche Brüder-Gemeinde zu Gast. Auch diese beiden Gemeinden wollen wir noch besuchen und kennenlernen.

 

 

 

Nach einem Gebet für unsere Kranken und die Gemeinschaft der drei Gemeinden hier vor Ort in der Kirche gingen wir noch rüber ins Gemeindehaus und bewunderten die so schön renovierten Gemeinderäume, den kleinen Saal und das Café. Auch auf dem Hof laden Sitzgruppen zum Bleiben ein.

 


Am 14. September besuchten wir den Ostkirchhof Ahrensfelde

Obwohl der Fußweg von der Endhaltestelle der Straßenbahn M8 und 16 nicht weit ist, waren etliche aus unserer Gruppe von Marzahnern das erste Mal hier. Vor der Dorfkirche Ahrensfelde muss man in die Lindenberger Straße einbiegen, dann geht es geradeaus und hinter der S-Bahmschranke rechts in die Ulmenallee . Dort kommt man dann geradewegs auf den Eingangsbereich des Friedhofs, der mehr einem Schlosspark gleicht. Gräber sind für den Besucher erst einmal nicht zu sehen, sondern Wald und Wiese und weit hinten, das Bild bestimmend, die Kapelle.

 

Im Eingangsbereich liegen Informationsflyer zu verschiedenen Fragen zum Mitnehmen bereit, so auch zur Geschichte und den Angeboten des Friedhofs wie Konzerte und Führungen. 1908 wurde der Friedhof für 10 evangelische Berliner Innenstadt-Gemeinden eingeweiht, verbunden mit einer extra Bahnstation. Heute wird er landeskirchlich verwaltet und vor allem von Menschen bevorzugt, die die Natur lieben. Zahlreiche Baumbestattungen sind Zeugen davon.

 

 

Über der Eingangstür der Friedhofskapelle steht ein Wort aus Hiob 19,25: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Aus diesem Grunde sind wir ja auf unserem Emmaus-Weg unterwegs. Ahrensfelde gehört zwar zum Land Brandenburg, aber zur Kirchengemeinde dort gehört das Gebiet nördlich der Havemannstraße, also ein Teil von Marzahn-Hellersdorf. So finden und fanden hier auch Bestattungen von Gemeindegliedern aus der Kirchengemeinde Marzahn/Nord statt.

 

Gut zwei Stunden lang kann man auf diesem Friedhof spazieren gehen. Bei diesem spätsommerlichen Wetter ist es ein Genuss. Auch einen Hund durften wir mitbringen. „Aber selbstverständlich,“ erfuhren wir auf die Nachfrage.

 

 


 

Besuch der Russisch-Orthodoxen Kirche in Marzahn. Allee der Kosmonauten 184-188, 12685 Berlin am 21.09.2020

 

 

 

Die Tür der kleinen Russisch-Orthodoxen Kirche an der AdK direkt gegenüber dem alten Dorf Marzahn mit ihrem goldenen weit leuchtendem Türmchen war nur angelehnt und führt über einen kleinen Vorraum in den so prächtig und farbenfrohen Ikonen zum Gebet einladenden Kirchraum.

 

 

 

Priester Jewgenij Mursin empfing uns herzlich und erzählte von der Gemeinde, die vor 10 Jahren mit dem Bau dieses Gotteshauses entstand und ca 150 bis 200 Gemeindeglieder hat. Erzpriester

Petr Pacholkov (https://rokmp.de/de/cliriks/paholkov-petr/) leitet sie. Die Gottesdienste sonntags finden aufgrund der Corona-Abstandsregeln draußen auf dem großen Vorplatz statt. Freitags um 18 Uhr findet ein Gebetsgottesdienst statt. Im Kirchraum kennzeichnen jetzt auf den mit Teppichen ausgelegtem Fußboden Klebestreifen den nötigen Abstand.

 

 

Durch die Mittlere Pforte kann die Gemeinde während des Gottesdienstes in den Altarraum sehen, den nur Priester und Ministranten betreten dürfen. Der Gottesdienst wird in altslavischer Sprache gehalten. Eine deutschsprachigen Gemeinde und entsprechenden Gottesdienst gibt es in Lankwitz: die Gemeinde des Hl. Isidor von Rostov.


Von der Empore aus singt der Chor, denn nur die Stimmen der Menschen werden für das Lob Gottes genutzt, keine Instrumente.

 

Im Mittelpunkt des Raumes liegt auf einem Pult die Ikone, die die Auferstehung Jesu zeigt, wie überhaupt die Auferstehung Jesu und das Lob Gottes Mittelpunkt der Liturgie sind.

 

 

 Heute ist das erste der 12 großen Feste der Orthodoxie, die auch oben auf der Ikonenwand dargestellt sind: das Fest der Geburt der Gottesmutter Maria.

 

 

 

 

Die Kirche ist auf den Namen des Begründers der Russisch Orthodoxen Kirche dem Heiligen Wladimir Swjatoslawitsch geweiht, dessen Bildnis ganz rechts auf der Ikonstase zu sehen ist.

 

 


 

Am 28.09.2020: Besuch im Bethaus der Gemeinde der Evangeliums Christen (Baptisten)
in der Rosenbecker Str. 52, 12689 Berlin

 

 

Ganz am Stadtrand von Berlin hat die Gemeinde eine Turnhalle in der Zeit erworben, als in Marzahn so viele Schulen abgerissen wurden und sie in den Jahren 2011 bis 2019 zu ihrem Bethaus umgebaut. Davon erzählt im Kirchraum eine Fotoausstellung.

 

 

 

Weder außen noch innen ist noch etwas davon zu spüren, dass hier mal Sport getrieben wurde wurde. Alles blitzt und glänzt, schon im großen Vorraum, von dem man aus den großen Gottesdienstraum betritt. Zusammen mit dem danebenliegenden und durch eine Schiebetür „zuschaltbaren“ Speisesaal sowie der Empore hat er bis zu 700 Plätze. Die Gemeinde selbst hat ca. 80 Mitglieder, doch bei Festen und Hochzeiten sowie Beerdigungen kommen viel mehr.

 

 

Am Sonntag, also gestern, wurde das Erntedank-Fest gefeiert. Ein bestens ausgestatteter Mutter-Kind-Raum ( mit Toilette und Wickeltisch) ermöglicht auch Müttern mit Kleinkindern und Babys die Teilhabe durch ein großes Glasfenster am Gottesdienst.

 

 

 

Hier der Blick von der Empore aus. Vorn sitzt (außer wie jetzt in Corona-Zeiten) der Chor.

 

 

Oben im Haus gibt es noch zahlreiche Räume für die verschiedenen Altersgruppen der Gemeinde, alle sind liebevoll und praktisch eingerichtet und an den Wänden stehen Bibelworte, die zeigen, worum es hier geht.

 

Bienen- und Waben schmücken die Wand im Kinderraum

Welche biblische Geschichte hier wohl gerade erzählt wurde?

So auch im großen Essensaal, hier auf Russisch und auf Deutsch, denn die Gemeinde ist zweisprachig.

 

Im Gottesdienst wird für die jeweils Sprachunkundigen übersetzt, so dass die Prediger jeweils in ihrer Sprache reden können und doch von allen verstanden werden.

 

 

Im Vorraum liegt eine Zeitung aus,: Glaube Aktuell, Nr. 1 2019, des Missionswerks Friedensstimme auf deren letzter Seite die Orte in Deutschland aufgeführt sind, in denen sich weitere Gemeinden dieses Verbandes befinden.

 

Draußen lädt ein Schaukasten zum Gottesdienst und den Bibel- und Gebetsstunden ein.

 

 

 

Einladend sieht auch der so schön gepflegte und mit Blumen bepflanzte Vorplatz aus.

 

 

 Im Gespräch erfuhren viel Interessantes über den Umbau und die Ausgestaltung des Hauses vorwiegend durch eigene Gemeindeglieder und Hilfen von den anderen Gemeinden des Verbundes, von den Kontakten zu Gemeinden gerade auch in den heute islamisch geprägten Ländern der südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken und von den erlebten Verfolgungen in der Sowjetzeit. Wir fragten nach dem Verständnis der Kindererziehung, nach der Möglichkeit in der Gemeinde zu heiraten und Mitglied zu sein, nach Ehescheidungen und hätten noch lange bleiben können, um mehr zu erfahren, aber nach anderthalb Stunden, war es dann doch Zeit, nach Hause zu gehen.

 

 


Besuch im Haus Trinity des CVJM in der Belnheimstrasse 33, 12685 Berlin am 5.10.2020

 

                                           ▲

Hinter den hohen Bäumen ziemlich versteckt liegt dieses für Kinder und Jugendliche bestimmte Haus mit seinem großen Außengelände zum Spielen und Toben, Grillen und Gärtnern.

 

 

Über dem Eingangsbereich und dem großen Raum mit Spielmöglichkeiten, einer Sitzecke, Tischen und einer Theke stehen die Worte Jesu: „Ich bin immer und übeall bei euch bis ans Ende der Welt“

 

Nach einer Beratung mit den Kindern über die Regeln, die im Hause gelten sollen, entstand dieses Plakat:

Wer von den BetreuerInnen kostenloses Gebäck

haben möchte, soll sie um eine Aufgabe bitten!

Am Montag, wie heute, sind alle Kinder herzlich willkommen,

am Dienstag ist Jungenstag,

am Mittwoch sind wieder alle eingeladen von 4 bis 17 Jahren,

am Donnerstag ist Mädchentag ,

am Donnerstag und Freitag sind die Abende für die Jugend reserviert.

Um 18 Uhr wird zu einer Andacht eingeladen, die wir heute miterleben dürfen:

Wir werden eingeladen, drei Aussagen über uns selbst auf einen Zettel zu schreiben, von denen zwei wahr sind und eine eine Lüge. So kommen wir lachend miteinander ins Gespräch über Wahrheit: Wie erkenne ich sie? - passend zur Losung des Tages. Habe ich Ohren für Jesu Worte? Bin ich zur Zeit zu oder vielleicht abgelenkt? Wir stellen uns zu vier verschiedenen Fotos auf dem Fußboden und bringen dann im Gebet unsere Anliegen vor Gott!

Mit dabei ist Adam, der seit drei Wochen kommt und von uns Erwachsenen nicht eingeschüchtert ist, sondern für uns Erstaunliches so selbstverständlich sagt.

 

Vorher hatten wir noch die anderen Räume des Hauses besichtigen dürfen. Um einen Innenhof herum liegen Räume für die verschiedensten Tätigkeiten:

eine Werkstatt

großer Raum,
in dem aus Holzpaletten gebaut wird

ein Musikzimmer

 

ein Sportzimmer:

 

in dem Kinder gerade mit Tierfiguren spielen

oder sich auch eine Hüte bauen können

und auch ein kleiner Andachtsraum
mit einem wunderschön selbst gestalteten Fenster.

 


Besuch der Lutherischen evangelischen Brüdergemeinde im Evangelischen Gemeindehaus Alt-Marzahn 61, 12685 Berlin (in der oberen Etage) am 12. Oktober 2020

 

 

Nicht nur das hier auf dem Schild benannte erreicht man „über den Hof“, montags um 18 Uhr auch in der oberen Etage des Gemeindehauses die Brüdergemeinde, die sich zur Bibelstunde versammelt. Die Gottesdienste finden wegen der Abstandregeln jetzt in Corona-Zeiten sonntags um 12 Uhr in der Dorfkirche gegenüber statt.

Durch die Tür in der Mitte des Gemeindehauses gelangt man über diese Treppe ins Obergeschoss:

 

Hier war für unseren Empfang um 17.15 Uhr schon alles vorbereitet, wie es die Corona-Bestimmungen verlangen: Liste, Desinfektionsmittel und Stühle in entsprechendem Abstand. Einer der Ältesten der Gemeinde erzählte sehr bewegend und persönlich von der Geschichte und dem Schicksal der Russlanddeutschen und der Brüdergemeinden.

 

Durch Deutsche, die in Moskau arbeiteten und lebten entstand schon im 16. Jahrhundert dort die erste lutherische Gemeinde, also lange vor der großen Einwanderung unter Katharina die Große (gest. 1796). Sie hatte ihren Landsleuten u.a. 30 Jahre Steuerfreiheit und Befreiung vom Militärdienst versprochen. So entstanden deutsche Siedlungen vor allem an der Wolga.

 

Von den russlanddeutschen Gemeinden gab es enge Beziehungen nach Deutschland und z.B. nach Basel, wo die Pastoren studierten und ordiniert wurden. So entstanden wie in Deutschland auch hier "Brüdergemeinden". Jede Gemeinde hat zwei Älteste, die Gottesdienste und Bibelsstunden durchführten, während die Pastoren viele Gemeinden zu betreuen hatten und nur "zu Besuch" kamen, um zu taufen, zu konfirmieren u.ä..

Durch Pastor Wilhelm Stärkel (1839- 1915) und den Evangelisten Heinrich Peter Ehlers ( 1845-1924) wurde die Bruderschaftsbewegung 1871 zu einem Verband innerhalb der Ev. Lutherischen Kirche (an der Wolga) zusammengefasst.

Im 20. Jahrhundert waren die Gemeinden von politischen Entscheidungen betroffen, die nicht nur sie betrafen, sondern jeweils auch andere: Da die Deutschen oft wohlhabend waren, wurden sie aufgrund der Revolution 1917 enteignet, geschmäht und verloren als selbständige Bauern („Kulaken“) nicht nur ihren Besitz, sondern oft auch ihr Leben.

 

Dazu kam ab 1918 der Versuch, mittels staatlicher Gewalt das Christentum wie alle Religion zu vernichten. Kirchen wurden zerstört, fast alle Geistlichen ermordet... Für die Brüdergemeinden, die im nächsten Jahr ihr 150jähriges Bestehen (in Russland) feiern können, war es gut, dass sie gewohnt waren, sich selbst zu leiten. Sie trafen sich heimlich zu Hause zu Gottesdiensten und Gebetsstunden. Wenn keine Männer wegen des Krieges da waren, übernahmen die Frauen die Durchführung und lasen aus Predigtbüchern die Predigt vor.

Die dritte Katastrophe betraf alle Deutschen in der Sowjetunion. Aufgrund des Ukas vom 28. August 1941 wurden sie als potentielle Kollaborateure der Deutschen (nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941) nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Alle arbeitsfähigen Männer und Frauen mussten in der Arbeitsarmee (Trudarmee) unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Wieder starben Hunderttausende.

Aufgrund des Zerfalls der Sowjetunion Ende der 80er Jahre und der Einladung (unter Helmut Kohl) nach Deutschland zu kommen, kamen mehr als 2 Millionen der Russlanddeutschen nach Deutschland. Da die deutsche Sprache unter Stalin und danach lange Zeit verboten war zu benutzen, konnten nur die alten Menschen noch Deutsch, allerdings meist kein Hochdeutsch. So war die Verständigung im Anfang schwer. So  erden in den Gemeinden gleichberechtigt beide Sprachen benutzt: Russisch und Deutsch und jeweils in die andere Sprache simultan übersetzt. So auch im Gottesdienst dieser Gemeinde, wie gesagt, zurzeit in der Dorfkirche sonntags um 12 Uhr, sonst hier oben im Saal, wo sich die Gemeinde schon seit den 90er Jahren trifft.

 

Auch heute noch werden gern Bücher mit Predigten beliebter Pastoren benutzt, so von Pastor Wilhelm Busch (1897-1966). Auch hier wieder zeigt sich die enge Verbindung zu Deutschland all die Jahre.  Viele Gemeindeglieder sind gleichzeitig Glieder der evangelischen Landeskirchen. Unter den verschiedenen Brüdergemeinden in Deutschland kennen sich viele und halten den Kontakt untereinander.


Besuch im Gemeindezentrum Nord der Evangelischen Versöhnungskirchengemeinde Biesdorf in der Maratstraße 100, 12683 Berlin am 19. Oktober 2020



Schon der Blick in den „Doppelschaukasten“ zeigt, dass hier zwei Gemeinden zu Hause sind und zwar seit Einweihung des Hauses 1986: die ursprünglich noch nicht mit den Biesdorfern fusionierte Versöhnungskirchengemeinde und die Evangelisch-methodistische Gemeinde in Marzahn, um deren Vorstellung es heute gehen soll.

 

 

Erwachsen ist diese Zusammenarbeit aus den ökumenischen Besuchsdiensten in der Gründungszeit der Gemeinden, als gemischte Teams von Evangelischen, Katholiken, Methodisten und Baptisten Besuche machten in den vielen neuen Hochhäusern von Marzahn, um Gemeindeglieder einzuladen.

Dankbar gedacht wird in diesem Zusammenhang an das Pastorenehepaar Tietsch, in deren Wohnung sich anfangs die Gemeinde traf und von der aus sie aufgebaut wurde, auch dank der Unterstützung vieler Studenten des Paulinums.

Im Kirchraum fällt das Altarbild, gestaltet von Rüdiger Roehl, ins Auge, ein liegender gekreuzigter Christus, der wie eine Brücke Menschen verbindet. Besonders schön ist auch das Band bunter Glasfenster oben rings um den Raum. Die Orgel wurde 2011 dank der langjährigen Partnerschaft mit Gemeinden in Siebenbürgen dort restauriert und erweitert und in ihrer Gestaltung an den Raum angepasst.

Besonders einladend wirkt der Raum, als wir beim Gehen sind, es inzwischen dunkel geworden ist und der Raum für den nach uns kommenden Chor vorbereitet wird und zum Lüften die Türen nach draußen auf das Gartengelände weit geöffnet waren:

 



 

Auch weitere Räume stehen für kleinere und größere Gruppen zur Verfügung und im Sommer die große Wiese rund um das Gemeindezentrum. Auch auf dem Gelände befindet sich das Pfarrhaus.

Ute Minor, die uns über die methodistische Kirche berichtet, gehört von Kindheit an dazu. 30 Jahre hat sie als Physikerin an der Akademie des Wissenschaften gearbeitet, ging in der Wendezeit in den Vorruhestand und nutzte die gewonnene Zeit nun voll für die Gemeinde. Sie war bis zu ihrem Ruhestand hier Pastorin und ist auch weiterhin aktiv. Die Gottesdienste werden all die Jahre schon immer im Wechsel mal nach landeskirchlicher Weise, mal nach den Regeln der EmK gehalten, mal werden die blauen und dann wieder die grünen Gesangbücher genutzt und beide Gemeinden nehmen jeweils daran teil.

Wir erfahren von der Entstehung des Methodismus in England und das „Methodismus“ nicht auf besondere „Methoden“ hinweist, sondern die Übernahme einer spöttischen Bezeichnung aus der Anfangszeit der Bewegung ist, nach dem Prinzip: „Wenn ihr meint, wir wären solche, dann meinetwegen.“ Darum wird das „m“ auch im Namen klein geschrieben im Unterschied zum „E“ - Evangelisch, weil das für sie wichtiger ist.

Im Unterschied zu den deutschen „Landes“-Kirchen ist diese Kirche international organisiert.

Weil ihnen wichtig ist, dass der persönliche Glaube sich auch im praktischen Leben und in der Gesellschaft auswirkt, sind die Gemeinden im Unterschied zu anderen Kirchen nicht nur durch die bekannten Glaubensbekenntnisse miteinander verbunden, sondern auch durch Einigung auf „soziale Grundsätze“. Gerade hier steht die internationale Gemeinschaft der methodistischen Kirche heute vor einer Zerreißprobe in der Auseinandersetzung über den Umgang mit Homosexualität. Was sonst noch „typisch methodistisch“ ist, kann man auch auf der Webseite der EmK in Deutschland lesen.6

Wir erfahren, dass die Gemeindeglieder selbst bestimmen, wie hoch ihr finanzieller Beitrag für ihre Kirche ist. Das meiste Geld, dass zusammenkommt, wird an die Zentrale überwiesen, von wo aus auch die Pastoren bezahlt werden. Seit Sommer hat die kleine Gemeinde hier keinen Pastor und muss erst einmal ein Jahr lang ohne auskommen. Auch vorher schon hat sie sich mit den Schöneweidern einen „geteilt“. Doch von Resignation ist nichts zu spüren. Zuerst einmal geht es darum, dass nach der Corona bedingten Pause das wöchentliche ökumenische Bibelgespräch wieder stattfindet. Platz genug ist da, wie dieser schöne große Raum: