Nicht nur in Marzahn sind wir unterwegs, um uns auf die Jubiläumsjahre 2030 bis 2033 vorzubereiten. Wir wollen auch die Verbindung zu den Gemeinden auf dem Lande und im Brandenburgischen suchen. Für uns Marzahner ist es ein schöner Ausflug, so wie unser erster Besuch in dieser Reihe:

Gottesdienst in Lichterfelde bei Jüterbog am 14. November 2021

 

Dieses kleine Dorf hat nur um die 70 Einwohner. Es gehört zur Gemeinde Niederer Fläming und kirchlich zur Gemeinde Schlenzer. Das Dorf wurde 1279 erstmalig urkundlich erwähnt, die Dorfkirche ist mit mehr als 750 Jahren die älteste der Region.

 

Wir hatten davon gehört, welche Wunder hier passierten und uns deshalb sonntags früh auf den Weg gemacht per Regio 3 bis Jüterbog und dann mit dem Rufbus bis nach Lichterfelde. Das hat prima geklappt, so dass wir pünktlich zum Gottesdienst um 11 Uhr da waren.

 

 

Erst zum zweiten Mal nach der Wiedereinweihung im September und einer Hochzeit versammelte sich hier die Gemeinde zusammen mit Interessierten aus dem Dorf. Denn 2010 sollte die Kirche wegen Einsturzgefahr gesperrt werden, doch die Dorfbewohner taten sich zusammen und gründeten einen Förderverein zum Erhalt ihrer Kirche. Auf dessen Webseite http://www.lichterfelde-dorfkirche.de/ bekommt man Einblick in die Sanierungsarbeit und das Engagement der Bewohner. Wir sahen nun das Ergebnis: Jugendliche empfingen uns am Eingang, wo wir uns aus Corona-Schutz-Gründen bei ihnen anmeldeten. Sie hatten zusammen mit zwei kleineren Mädchen und Pfarrerin Ly-Elisabeth Dang den Gottesdienst vorbereitet.

 

 

„Liebe ist ein Tuwort“ war das Thema als Auslegung des Evangeliums Matthäus25, dem Gleichnis vom Endgericht. Von der Kanzel aus und der Empore nahmen sie uns mit ins Gericht und brachten die Reaktionen der davon Betroffenen zur Sprache. So hatten wir Jesu Worte noch nie gehört. Dazu die passenden modernen Lieder – ein kleiner Chor war durch die Vorbereitung entstanden.

 

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden wir inzwischen hungrigen Berliner Frühaufsteher mit einer leckeren Suppe und frischen Brötchen bewirtet und erfuhren durch den Vorsitzenden des Fördervereins und seinen Stellvertreter von der geleisteten Arbeit.

 

 

 

Doch nicht alles, was alt aussieht, ist alt: beim Taufengel ist es nur die Schale. Er selbst wurde ebenso wie Jesus beim Einzug nach Jerusalem auf dem Esell sitzend von einenm heutigen Künstler geschnitzt.

 

 

So beeindruckt hat die Idee des Vorsitzenden des Fördervereins Herrn Lust, mit seinen beiden Jungen in mittelalterlichen Gewändern 2016 mit Eseln sich auf den Pilgerweg über 72 km nach Rangsdorf zu begeben und dabei Spenden für die Kirche zu sammeln. Sogar das Fernsehen interessierte sich dafür.

 

Doch wollten sie nicht nur um Geld bitten, sondern jedem, egal wie viel er geben würde, mehr zurückgeben. Dem Namen ihres Dorfes entsprechend bekam jeder ein Licht – das letzte derart steht noch in dem Fenster des Altarraums:

 

Dazu bekam jeder noch ein Säckchen mit Korn vom eigenen Feld. Wenn man es aussäen würde, dann würde sich das Korn vermehrern und in ein paar Jahren hätte man mehr, als man gespendet hat. Das vorletzte dieser Säckchen bekamen wir mit auf den Weg.

 

 

Beim Renovieren der Kirche im Innern wurden mittelalterliche Wandmalereien entdeckt und restauriert: Vorn im Altarraum eine Frau:

 

 

An der rechten Wand steht ganz oben:

 

 

Darunter ein großes Wandbild, dessen Bedeutung man erraten muss.

 

 

Die Kirche vereint so das katholische Mittelalter, die evangelische Zeit und durch das Geschenk einer Ikonie auch die orthoxe Frömmigkeit. Für alle Glaubensrichtungen soll die Kirche nun offen sein.

 

 

Wieder draußen auf dem gepflegten Friedhof der Gemeinde fällt ein alter Grabstein in die Augen Mit seiner Inschrift „...Dort werden wir uns wiedersehen“ erzählt er von dem Vertrauen auf die Auferstehung – auf heutigen Friedhöfen nur noch selten anzutreffen.

 

„Gottes Wort bleibt ewiglich“ - das wünschen wir dieser tapferen kleinen Gemeinde. Mögen sie weiter davon zeugen. Uns Achten aus Berlin-Marzahn hat dieser Sonntagsausflug Lust gemacht, sobald die Corona-Situation es erlaubt, wieder ins Berliner Umland zu fahren und Dorfgottesdienste zu besuchen.